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+++ Corona Ticker +++

 

Bitte beachten Sie die Empfehlungen des RKI Robert Koch Instituts und Ihrer Hygienebeauftragten sowie der einzelnen Fachgesellschaften.

 

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

 

Die COVID-19 Pandemie ist eine relevante Herausforderung für das Gesundheitssystem und für alle diejenigen unter uns, die täglich Versorgung, Diagnostik und Therapie dysphagischer Patienten sicherstellen.

 

In vielen Krankenhäusern und Praxen ist der normale Betrieb erheblich eingeschränkt.

 

In einem ersten Schritt zur Infektionskontrolle wurden Bettensperrungen vorgenommen und elektive Termine ausgesetzt. Patienten meiden Krankenhäuser und Praxen aus Bedenken vor nosokomialen Infektionen. In einigen Gegenden werden deutlich weniger Schlaganfallpatienten aufgenommen als bisher – mit mutmaßlich dramatischen Konsequenzen für Outcome, Pneumonie- und Mortalitätsrisiko. Unsere Arbeit wird durch Virus-Konzentrationen im Nasen- und Rachenraum infizierter Patienten erschwert. Neben Schmier- und Tröpfcheninfektionen geht höchstwahrscheinlich von Aerosol-Generierenden Prozeduren (AGP) eine hohe Infektionsgefahr aus.

 

Die nachfolgenden Empfehlungen basieren auf den zurzeit verfügbaren Informationen. Täglich erscheinen jedoch neue Publikationen und Richtlinien verschiedener Fachgesellschaften. Wir möchten Sie deshalb darauf hinweisen, dass die Empfehlungen keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit haben und insbesondere durch neuere wissenschaftliche Erkenntnisse modifiziert werden müssen. Bitte überprüfen Sie die Empfehlungen auf Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit in Ihrem Setting. Bitte beachten sie auch die Empfehlungen Ihrer jeweiligen berufsbezogenen Fachgesellschaften.

 

Die professionelle Versorgung dysphagischer Patienten wird unter COVID-19 an Bedeutung gewinnen. Neben den von uns bisher versorgten Patientengruppen hoffen zahlreiche (Post-) COVID-19 Patienten mit Post-Extubations-Dysphagien und Criticall-Illness-Polyneuropathien auf Behandlung. Ziel muss also eine möglichst optimale Versorgung dysphagischer Patienten sein

(1) unter Berücksichtigung des bestmöglichen Infektionsschutzes für Personal, Patienten und deren Angehörigen

(2) unter Vermeidung von Komplikationen und Schädigungen durch fehlende Behandlungsoptionen

 

Schutzmaßnahmen und Behandlungsoptionen sind für jeden Patienten individuell zu entscheiden und hängen von mehreren Faktoren ab. Es sind insbesondere zu nennen:

  • Arbeitsstruktur: Akutklinik, Rehabilitationsklinik, Praxis oder Heim
  • Technische Ausstattung, insbesondere bei der Aufbereitung von Endoskopen und anderen Geräten
  • Verfügbarkeit von Schutzausrüstung
  • Testkapazitäten (COVID-19 Abstriche, Antikörpertests)
  • lokal variierende Häufigkeit bestätigter COVID-19 Infektionen
  • Erkrankungsphase eines Patienten

 

Allgemeine Empfehlungen:

  • implementieren Sie ein risikoadaptiertes Verhalten
  • unterscheiden Sie zwischen COVID-19 positiven Patienten und Verdachtsfällen, COVID-19 negativen Patienten, nicht getesteten Patienten und je nach Setting ggf. auch nach Patienten in präemptiver Isolation oder Kontaktisolation.

 

Negative Patienten:

  • angesichts verbesserter Laborkapazitäten sind Kliniken zunehmend in der Lage, Patienten in regelhaften Intervallen abzustreichen und als COVID-19 negativ zu klassifizieren
  • beachten Sie die normalen Hygieneregeln bei Diagnostik und Therapie dysphagischer Patienten (Tragen von Handschuhen, Mund-Nasenschutz und Schutzbrille) und kontrollieren Sie vor dem Patientenkontakt Infektionszeichen (Körpertemperatur, ggf. stattgefundener Kontakt zu COVID-19 Positiven)
  • beachten Sie Abstandsregeln und tragen Sie und Ihre Patienten nach Möglichkeit einen Mund-Nasen-Schutz (Schutz vor Infektion durch asymptomatische Ausscheider)

 

Nicht getestete Patienten:

  • definieren Sie den Umgang nach Ihren lokalen Gegebenheiten; in Gegenden mit geringer COVID-19 Häufung erfolgt meist eine Abfrage nach Symptomen und stattgefundenen Kontakten (siehe RKI); in Hochrisikogebieten werden nicht getestete Patienten häufig bis zum ersten negativen Abstrich präemptiv isoliert

 

Positive Patienten und Verdachtsfälle, Patienten in präemptiver Isolation, Kontaktisolation:

  • behandeln Sie Verdachtsfälle und Patienten in präemptiver Isolation/ Kontaktisolation wie COVID-19 positive Patienten
  • Schutzausrüstung für alle nicht negativen Patienten umfasst: Handschuhe, Schutzbrille, FFP2/3 Maske, Schutzkittel, Haarschutz
  • Halten Sie wenn immer möglich ausreichend Abstand
  • Sorgen Sie für ausreichend Belüftung
  • Limitieren Sie den Kontakt auf das erforderliche Minimum
  • Diagnostik und Therapie nur bei dringender medizinischer Indikation, insbesondere wenn es sich um AGPs handelt
  • Endoskopische Diagnostik (FEES, Tracheoskopie) sind AGPs; nur bei dringender medizinischer Indikation
  • Möglichst keinen Hustenstoß oder Würgreflex provozieren, keine Wassertests (bzw. Austestung nur bei autonomen Patienten, sofern Sie ausreichenden Abstand einhalten können)
  • Therapie: Kostadaptation mit sicheren Konsistenzen und Haltungskompensationen austesten; dabei auf Abstand achten; restituierende Verfahren zurückstellen, sofern Patienten nicht aus der Entfernung angeleitet werden können
  • autonome Patienten oral ernähren; sichere Konsistenzen wählen; orale Nahrungssupplemente erwägen, um Malnutrition zu vermeiden;
  • PEG-Anlagen zurückstellen (AGP), Sondenernährung bevorzugt über NGS
  • TK-Patienten:

                   –  geschlossenes Absaugsystem

                   – Wechsel TK-Innenseele 1 x täglich

                   –  Cuffdruck häufig kontrollieren, ggf. Cuff-Wächter verwenden

                   –  Kompressenwechsel nur bei sichtbarer Verschmutzung

                   –  TK nicht entblocken

                   –  geschlossene TK

                   –  kein Wechsel auf fenestrierte Innenseele

                   –  kein Sprechventil, keine Verschlusskappe

                   –  nur autonome, wache Patienten: TK mit subglottischer Absaugung erwägen

                       (jedoch elektive TK-Wechsel vermeiden); TK zu den Mahlzeiten entblocken,

                       vorherige Absaugung subglottisch, dann über geschlossenes System

                   – Blautest zur Abklärung Speichelaspiration

                   – medikamentöses Sekretmanagement

                   – Liegedauer der TK bis zu 28 Tage ausdehnen

                   – elektive Trachealkanülenwechsel vermeiden

  • insbesondere bei COVID-19 positiven asymptomatischen Patienten: TK-Management und therapeutische Maßnahmen nach Ablauf einer Phase erhöhter Infektiosität
    (7-14 Tage nach Erstmanifestation) auf Veränderbarkeit prüfen, da Patienten von einer Normalisierung des Luftwegs mit willkürlicher Reinigungsfunktion profitieren

 

 

Seien wir in Zeiten der COVID-Pandemie informiert und vorsichtig – aber lassen uns in unserem Tun nicht lähmen. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen/Euch Gesundheit und erfolgreiche Arbeit,

 

 

Ihr DGD Vorstand

 

 

 

Anhang:

Auflistung potentiell infektiöser Aerosol-Generierender Prozeduren (AGP) bei COVID-19:

  • intubation, extubation and related procedures, for example, manual ventilation and open suctioning of the respiratory tract (including the upper respiratory tract)
  • tracheotomy or tracheostomy procedures (insertion or open suctioning or removal)
  • bronchoscopy and upper ENT airway procedures that involve suctioning
  • upper gastro-intestinal endoscopy where there is open suctioning of the upper respiratory tract
  • surgery and post mortem procedures involving high-speed devices
  • some dental procedures (for example, high-speed drilling)
  • non-invasive ventilation (NIV); Bi-level Positive Airway Pressure Ventilation (BiPAP) and Continuous Positive Airway Pressure Ventilation (CPAP)
  • High Frequency Oscillatory Ventilation (HFOV)
  • induction of sputum
  • high flow nasal oxygen (HFNO)

 

Quelle: https://www.gov.uk/government/publications/wuhan-novel-coronavirus-infection-prevention-and-control/covid-19-personal-protective-equipment-ppe

 

 

 

 

Deutsche interdisziplinäre Gesellschaft für Dysphagie

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